Monday, 17 April 2023

Franz Sz. Horváth, Kommunist – Jude – Ungar? Leben und Werk des heimatlosen Philosophen Ernő Gáll.

Franz Sz. Horváth, Kommunist – Jude – Ungar? Leben und Werk des heimatlosen Philosophen Ernő Gáll. Wien: Harrasowitz 2023. ISBN: 978-3-447-12019-7 

Das Leben des ungarisch-jüdischen Philosophen Ernő Gáll (1917–2000) steht für das (jüdische) Leid, die politischen Hoffnungen und Enttäuschungen einer ganzen ostmitteleuropäischen Generation. Franz Sz. Horváth stellt Gáll als Jungkommunisten in Rumänien, als verfolgten Juden in Ungarn (1940–1945) und im KZ Buchenwald vor. Er schildert Gáll als stalinistischen Dogmatiker in Rumänien (1945–1956), als Reformmarxisten und Minderheitenintellektuellen (nach 1968). Gálls hybride (jüdisch-kommunistisch-ungarische) Identitäten, seine kommunitaristische Ethik der Würde und Verantwortung werden analysiert. Doch arbeitet der Verfasser auch Gálls Bemühungen, den Holocaust philosophisch zu deuten (Ettersberger Grübeleien), und seine vorsichtige Wiederannäherung an das Judentum im Alter heraus. Hierzu wertete er u.a. Gálls umfangreichen Briefwechsel, seine Tagebücher, Publikationen und Securitate-Akten aus. So gelingt es Horváth, die widersprüchliche Wahrnehmung Gálls als ungarischer Nationalist (durch die Securitate), als Jude im Dienst der rumänischen Partei (so die Ungarn) und als „dem Judentum entfremdeter Jude“ (so seine jüdischen Freunde) aufzuzeigen. Diese erste Biographie des heimatlosen Philosophen Ernő Gáll weist zuletzt nach, dass man mit Gálls Begriffsschöpfung der „Würde der Eigenart“ an heutige Identitätsdiskurse anknüpfen kann. Schließlich gewährt die Einbettung des Gállschen Lebenswegs in die Erfahrungswelt seiner Generation auch einen Einblick in die rumänienungarische Minderheitengeschichte im 20. Jahrhundert.

No comments:

Post a Comment

𝐂𝐨𝐥𝐥𝐨𝐪𝐮𝐢𝐚 𝐂𝐞𝐫𝐚𝐧𝐞𝐚 𝐂𝐨𝐧𝐟𝐞𝐫𝐞𝐧𝐜𝐞

 𝐓𝐡𝐞 𝐄𝐢𝐠𝐡𝐭𝐡 𝐄𝐝𝐢𝐭𝐢𝐨𝐧 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐂𝐨𝐥𝐥𝐨𝐪𝐮𝐢𝐚 𝐂𝐞𝐫𝐚𝐧𝐞𝐚 𝐂𝐨𝐧𝐟𝐞𝐫𝐞𝐧𝐜𝐞, annually organized by Ceraneum, 𝐰𝐢...